Abschied von Wordpress

Zum Abschied sag‘ ich ganz laut tschüss!

cardamonchai schon bald in neuem Gewand

Teil IV: Der Abschied

Man schreibt nicht so ausführlich, wenn man den Abschied gibt.

Abschied von WordPress

Abschied von WordPress

Mit diesem Zitat von Heinrich Heine verabschiede ich mich. Und wie recht er hat: Würde es sich um einen echten Abschied handeln, würde ich nicht so ausführlich darüber schreiben (Hier gehts zum dritten Teil des Artikels).

Nicht nur mein Blog zieht um, sondern auch der Herzmann und ich. Vom Süden geht es in den hohen Norden. Deshalb verabschiede ich mich auch nicht mit einem leisen Servus, wie es einst Peter Alexander tat, sondern mit einem lauten Tschüss, wie man das eben in Hamburg so macht.

Neue URL ab heute Abend

Wie angekündigt, ist meine Zeit bei WordPress jetzt zu Ende. Mein Blog wird in Kürze nur noch unter cardamonchai.com zu erreichen sein.

Ich freue mich auf Euch und bin schon sehr gespannt, wie Euch das neue Outfit von Anne bloggt cardamonchai gefällt! Heute Abend werde ich hier den Stecker ziehen und mit Sack und Pack auf meine neue Seite umziehen.

Ich lasse die Katze aus dem Sack!

Natürlich wird es dann auch einen Begrüßungsartikel geben, sobald der Umzug gelaufen ist. Außerdem habe ich in den letzten Tagen schon ein paar ganz besondere Spezialitäten für Euch vorbereitet. Ich möchte noch nicht allzu viel verraten, deshalb lasse ich erst mal nur eine Katze aus dem Sack, die anderen müssen noch etwas warten: Die lang ersehnte vegane Festivalliste ist fertig und schon in ein paar Stunden live!

Haltet mir die Treue, ich halte sie Euch! Natürlich werde ich auch über Facebook, Twitter und E-Mail weiterhin erreichbar sein und wer ganz lieb ist, schreibt mir ab dem 15. März eine Postkarte an meine neue Adresse, der Kühlschrank in Hamburg ist noch ganz kahl und möchte gerne dekoriert werden!

Küsschen
Anne❤

 

Ökolatsche 2.0

„Vegan? Hamwa!“

Ökolatsche 2.0

Ökolatsche 2.0

Ökolatsche 2.0

Ich wollte mal wieder einen Kommentar abgeben und das sei hiermit geschehen: Es ist schön, dass sich was tut. Das Umdenken erfolgt Schritt für Schritt.

Im Fernsehen laufen Berichte1 über die vegane Lebensweise (zwar nicht im Vorabendprogramm, da lösen nach wie vor die Zoosendungen die Fleisch- und Sahneköche ab und umgekehrt), aber man muss froh sein, dass sich der Gedanke langsam rumspricht.

Immer mehr Menschen probieren auch mal pflanzliche Milch (zu erkennen am wachsenden Angebot in den Supermärkten) und auch Frau Müller von gegenüber spricht inzwischen die Spaziergänger im Hundepark darauf an, wenn sie ihre Fiffis zu streng an die Leine nehmen.

Pythagoras hatte recht!

„Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.“ Ich denke, dass man diesen weltberühmten Satz ausweiten darf auf „Alles, was der Mensch der Natur antut, kommt auf den Menschen zurück“. Das ist sicherlich auch das, was Pythagoras damit gemeint hat.

Wann, wenn nicht jetzt? Die Zeit für ein kollektives Umdenken ist gekommen. Nur eine tierleidfreie Zukunft hat Zukunft.

Wie schrieb die Zitty Berlin2 das gestern so schön „Die Zeit ist reif, faule Kompromisse über Bord zu werfen. Nie war es einfacher und notwendiger, ohne tierische Produkte zu leben, als heute.“

Das Leid der Milchrinder

Garantiert ohne Rind: Selbstgemachte Seitanburger

Garantiert ohne Rind: Selbstgemachte Seitanburger

Ja, so langsam kommt es in unseren Köpfen an, dass die Qualen der Milchrinder genauso, wenn nicht sogar größer sind, als die der Mastrinder, dass es sich bei Leder genau wie bei Pelzmänteln um die Haut unserer Miterdlinge handelt und dass Fische sehr wohl Schmerzen fühlen können.

Im Privatfernsehen läuft derweil die Wurstwerbung weiterhin rund und sogenannte Gesundheitsfachleute machen gemeinsame Sache mit der Milchindustrie, die uns seit Jahrzehnten vorgaukelt, dass wir die Muttermilch anderer Säugetiere zum Überleben brauchen.

Das Unwort unseres Zeitalters

Wie lange noch? Wie lange, bis wir uns das kollektiv nicht mehr gefallen lassen werden? Werden eines Tages Warnhinweise auf Milchtüten zu finden sein? „Milchkonsum schadet der Gesundheit“? Zu diesem Thema habe ich mich ja vor kurzem schon mal sehr ausführlich hier ausgelassen. Doch zum Glück begreifen wir nach und nach, was das Unwort unseres Zeitalters ist: Nutztier.

Auch, wenn es nur in kleinen Schritten passiert: Es geht voran! Auch der Einzelhandel erkennt immer mehr: Am Thema Tierleidfrei komme ich nicht vorbei (Es reimt sich, es muss stimmen!🙂 ). Es handelt sich um ein wirklich zukunftsträchtiges Geschäft und im Moment kann einfach Jede/r noch der/die Erste sein. Ein ganz neuer Markt möchte erobert werden, neue Kunden kommen mit einer ständig wachsenden Nachfrage ins Geschäft spaziert.

Wir werden unser Geld bei Euch ausgeben!

Hier gibt es jetzt auch vegane Gerichte

Hier gibt es jetzt auch vegane Gerichte

Und es gibt einiges zu tun! Ich spreche hier auch die Verpackungsdesigner an. Warum lässt sich eine Leberwurstpackung schon seit der Spätbronzezeit ganz leicht öffnen, an der für veganen Aufschnitt scheitert allerdings sogar ein Ingenieur kläglich? Krempelt die Ärmel hoch und macht Euch an die Arbeit! Wir werden unser Geld bei Euch ausgeben! Versprochen!

Not macht übrigens ganz schön erfinderisch, ein paar findige Veganer haben sich da schon eine ganze Menge geniale Dinge ausgedacht. Inzwischen gibt es Online-Shops für veganes Schuhwerk, vegane KITAS, vegane Imbisse an jeder Ecke und vegane Kochkurse. Im Internet formieren sich Gruppen von Veganern, um Produktanfragen auszutauschen, Kochrezepte weiterzugeben und Einkaufserfahrungen kundzutun.

Allein auf Facebook dürfte die Anzahl der veganen Communities allein in Deutschland inzwischen im 5stelligen Bereich liegen. Wann hat es sowas zuletzt gegeben? Eine Interessensgruppe taucht auf, tauscht sich aus und organisiert sich. Es kommt zu Verabredungen, Stammtischen und Plangruppen für neue Cafés, Restaurants und sogar ganzen Wohngemeinschaften, Genossenschaften und Kommunen.

Die Ökolatsche 2.0

Begibt man sich in die Innenstädte, kann man beobachten, wie der Wandel langsam ankommt. Vor Kurzem erst betrat ich eines dieser Geschäfte für ökologische Bekleidung, die Kollektion dort bestand zum größten Teil aus Wolle und Seide. Grund genug für mich, die Verkäuferin mal anzusprechen, die sich freundlich bei mir als die Ladeninhaberin vorstellte und sich auf meinen Hinweis hin gleich mal ein paar Labels für vegane Ökomode notierte.

Öko ist eben nicht mehr Öko. Heutzutage geht es nicht mehr nur darum, möglichst zweckdienliche Klamotten zu finden und wir haben herausgefunden, dass Babies von Wollunterhemden gerne mal einen fiesen Ausschlag davontragen. Wir wünschen uns attraktive Mode, die nicht nur unter fairen Bedingungen hergestellt wird, öko ist und frei von giftigen Chemiecocktails, sie soll bitte auch noch vegan, also tierleidfrei sein. Die Ökolatsche 2.0. also.

Tierleidfreie Produkte werden nach und nach zum festen Sortimentsbestandteil

Bietet nicht nur Avocados: Die vegane Küche

Bietet nicht nur Avocados: Die vegane Küche

Genau so letzte Woche im Reformhaus: Da im Drogeriemarkt meines Vertrauens mal wieder das Kokosöl und die Hefeflocken ausverkauft waren (die Nachfrage bestimmt das Angebot, liebe Filialleiterin dort!😉 ), erstand ich diese Waren im Reformhaus an der Ecke und wurde dieses Mal selbst in ein Gespräch verwickelt. Die sehr interessierte Verkaufsberaterin freute sich sichtlich, eine Veganerin zu bedienen (das fand sie heraus, nachdem sie mich von sich aus gefragt hatte, sie meinte, Veganer würde doch häufiger diese Hefeflocken kaufen) und war begeistert von der Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten ihrer gerade ins Sortiment aufgenommenen Hefeflocken zu erfahren.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte? Ich weiß es nicht. Vielleicht wollte ich auch einfach mal wieder die Tastatur klappern lassen.

Es ist schön, dass was passiert, tierleidfreie Produkte werden hergestellt und nach und nach zum festen Bestandteil der Sortimente, klar stehen in besagtem Reformhaus noch so absonderliche Dinge wie Lebertran und Pferdemark im Regal, jedoch denke ich, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Fellschuhe und Wollsocken in der Auslage vor der Tür wunderbar weichen Bambussocken und Kokosschuhen weichen müssen.

In diesem Sinne: Go vegan!❤

Ein Grundnahrungsmittel der Azteken

Chiapudding

Gesund und lecker

Grundrezept

Chiapudding mit Blaubeeren

Chiapudding mit Blaubeeren

Ihr seid auf der Suche nach einem leckeren Frühstück, das lange vorhält? Ihr würdet gerne mal wieder einen Nachtisch zubereiten, bei dem Ihr so richtig hemmungslos schlemmen könnt?

Und dabei noch massenhaft Omega-3, Eisen, Proteine, Antioxidantien, Kalzium, Magnesium, Vitamine und Ballaststoffe zu Euch nehmen? Und was für die Figur tun? Geht nicht? Geht doch! Ich verrate Euch heute mein Grundrezept für Chia-Pudding.

Chia-Samen stammen von der Salvia Hispanica, dabei handelt es sich um eine Salbei-Pflanze, die ihren Ursprung in Mexico hat. Inzwischen wird Chia nachhaltig in vielen Ländern Südamerikas und in Australien angebaut. Die weißen und schwarzen Samen galten bei den Azteken als Grundnahrungsmittel, heute kommen sie vor allem auch als Hühnerfutter zum Einsatz, nachdem sie lange in Vergessenheit geraten waren. Zu kaufen gibt es sie in jedem Bioladen, Vegan-Onlinehandel, im Reformhaus und im gut sortierten Supermarkt.

Zutaten (für 2 Portionen):

  • Chiasamen

    Chiasamen

    2 Tassen Chiasamen

  • ca. 1/2 Liter Mandelmilch, Kokosmilch, Reismilch, kalter Kakao, Vanillemilch oder Fruchtsaft (je nach Gusto)
  • Früchte, Schokolade oder anderer Süßkram
  • Evtl. etwas Agavendicksaft oder Apfelsüße

Wie Ihr seht, sind meine Angaben hier sehr vage, ihr könnt die Zutaten wirklich ganz frei nach Eurem Geschmack wählen, wichtig sind nur die Chiasamen. Ihr könnt z. B. mit kalten Kakao einen herrlichen Schokoladenpudding zaubern oder mit verschiedenen Früchten einen tollen Fruchtspiegel zaubern.

Zubereitung

Ein Grundnahrungsmittel der Azteken

Ein Grundnahrungsmittel der Azteken

Die Chia-Samen zusammen mit der Pflanzenmilch oder dem Saft in eine verschließbare Plastikdose oder ein Glas mit Deckel geben und in den Kühlschrank stellen. Das Obst zum Auftauen aus dem Gefrierfach nehmen.

Die Chia-Samen am besten über Nacht in der Dose lassen und abends vor dem Zubettgehen zwei bis drei Mal umrühren.

Morgens die Dose aus dem Kühlschrank nehmen und die Samen erneut gut umrühren. Ihr könnt jetzt noch ein Bisschen Agavendicksaft oder Apfelsüße mit einrühren, wenn Ihr es besonders süß mögt.

Die Masse mit einem Löffel vorsichtig in Schälchen anrichten und mit dem Obst, der Schokolade, oder was Ihr sonst gerne als „Deko“ verwenden möchtet darüber geben. Ich esse am liebsten Blaubeeren dazu.

Voilà: Fertig ist der Chiapudding! Lasst es Euch schmecken!

Bis bald
Anne❤

Quellen: Wikipedia + chiasamen.info

Blick auf den Hafen in Hamburg

Blog-Relaunch und Umzug nach Hamburg

cardamonchai schon bald in neuem Gewand

Teil III: Die Vorfreude

„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen!“

Oskar fragt sich, was los ist

Oskar fragt sich, was los ist

So formulierte es einst Aristoteles. (Hier gehts zum zweiten Teil des Artikels) Derzeit herrscht hier Aufbruchstimmung. Wenn ich nicht am Computer sitze und schreibe, sortiere ich unser Hab und Gut aus und packe alles, was nicht abgegeben, weggeschmissen oder gespendet wird, in Kartons.

Unser Ziel: Die schönste Stadt der Welt. Wir werden einen Neuanfang in Hamburg wagen und freuen uns schon sehr darauf. Am 15. März ist es soweit, drückt uns die Daumen, dass alles gut funktioniert und wir wohlbehalten ankommen, 800 Kilometer liegen zwischen uns und unserem neuen Zuhause.

Aussortieren hat etwas Meditatives

Aussortieren hat etwas Meditatives, irgendwie dringt man schichtenweise vor, entdeckt Dinge, bei denen man sich wirklich ernsthaft fragt, warum man die bei den letzten zwölf Umzügen mitgeschleppt hat, alte Bücher, Kleider, die einem nicht mehr passen, Fotos, sogar Möbelstücke, man glaubt es kaum.

Und von Woche zu Woche wird der Stapel größer, die Trennung wird immer leichter, irgendwann macht man sich nicht mehr so viele Gedanken, ob man das Buch jetzt wirklich wegwerfen soll. Schließlich muss ja alles in einer Tour nach Hamburg gehen und da kann man einfach nicht so viel mitnehmen. Letzte Woche haben wir ein paar Sachen zum Schrottplatz gefahren, inzwischen bin ich mir nicht ganz sicher, dass das unser letzter Besuch dort war.

Auch die Stubentiger kommen mit

Chili schläft gerne im Auto

Chili schläft gerne im Auto

Natürlich kommen auch unsere beiden Stubentiger mit, die gewöhnen sich gerade schon an einen großen, bequemen Hundekorb, der bei uns im Wohnzimmer zum festen Einrichtungsgegenstand geworden ist, sie gehen dort ein und aus, er ist inzwischen zu ihrem festen Schlafplatz geworden. Hoffen wir, dass es ihnen auf der langen Fahrt dort drin auch gut gefällt. Chili schläft immerhin schon mal gerne im Auto, Oskar muss sich da noch ein Bisschen was von seinem Bruder abkucken.

Ich werde weiter berichten, bestimmt gibt es im neuen Blog auch die ein oder andere Fotostrecke von unseren Entdeckungstouren durch die Hansestadt. Ja, Ihr habt richtig gelesen, die Vorbereitungen für den Umzug meines Blogs liegen auch in den letzten Zügen, noch ein paar Tage, dann erstrahlt cardamonchai in neuem Glanz.

Die Tätowierung ist endlich fertig

Einen kleinen Vorgeschmack hatte ich Euch ja letztes Jahr schon gegeben, der Herzmann hat mit seinen Programmier- und Designkünsten wahre Wunder bewirkt und eine ganz tolle, neue Seite ist entstanden, schon bald wird sie unter cardamonchai.com zu erreichen sein. Ich bin selbst schon ganz aufgeregt und kann es kaum noch erwarten.

Das Tattoo ist endlich vollständig

Das Tattoo ist endlich vollständig

Inzwischen ist die ursprünglich geplante Designvorlage, mein Tattoo auch fertig, Mat hat es letzte Woche noch mit einem Hintergrund versehen und es ist jetzt vollständig. Schön auch der Gedanke, dass die Herzmann-Zeichnung als Vorlage für das Tattoo fungierte. Mat hat davon beim Tätowieren seine persönliche Interpretation geschaffen und dabei auch ganze Arbeit geleistet.

Manchmal ist es wirklich schön, wenn es anders kommt, als man denkt. Das kann einen auf ganz neue Ideen bringen und lässt die Dinge in einem neuen Licht erscheinen.

Bis bald
Anne❤

PS: Ein kleines Fototagebuch zum Umzug findet Ihr in meinem Instagram.

Hier gehts zum vierten Teil des Artikels

Hier entsteht die SoLaWi Hamburg

„Veganer sind unglaublich kreativ!“

Interview mit Margit Ricarda Rolf von der SoLaWi Hamburg

Margit Ricarda Rolf

Margit Ricarda Rolf

In Zeiten von Globalisierung und TTIP werden regionale Produkte für die Menschen immer wichtiger. Wir wollen einfach wissen, was da auf unserem Teller landet. Aus genau diesem Grund haben sich ein paar Hamburger zusammengetan, um eine SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) zu gründen. 

Sie soll als GENO 2.0, als moderne Genossenschaft betrieben werden, in der Transparenz eine große Rolle spielen wird.

Acht Bio-Gärtner sollen in der SoLaWi arbeiten, außerdem werden 300 Genossen gesucht, die sich auch als Erntehelfer einbringen dürfen. Es sollen jede Menge Arbeitsplätze geschaffen werden, faire Bezahlung ist dabei einer der Grundsätze.

Hier entsteht die SoLaWi Hamburg

Hier entsteht die SoLaWi Hamburg

Die Hamburger SoLaWi wird eine von wenigen bioveganen SoLaWis, die es derzeit weltweit gibt, sein. Mit dieser Marktlücke soll ein fester Kundenstamm erschlossen werden. Es zählt jedoch nicht zu den Vorraussetzungen, wenn man GenossIn werden möchte, auch VeganerIn zu sein. Auf Tierhaltung soll in der SoLaWi vollständig verzichtet werden.

Am 3. Februar fand das erste Planungstreffen statt, somit ist die Ideenphase inzwischen in die Planungsphase übergegangen. Mit Unterstützung von  Fairmondo sollen abends und an den Wochenenden Botschafter durch Vorträge und Veranstaltungen die Idee verbreitet werden und auch auf der Altonale vom 3. bis 5. Juli 2015 werden die Botschafter vertreten sein.

Ich habe mich mit Margit Ricarda Rolf, einer der Gründerinnen unterhalten. Sie selbst sieht die SoLaWi als ihre persönliche Antwort auf TTIP.

Anne: Liebe Ricarda, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst! Es freut mich sehr, deine Bekanntschaft zu machen!

Ricarda: Dito!

Anne: Ricarda, wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine SoLaWi zu gründen?

Der Hummel

Der Hummel

Ricarda: Wir wollen in Hamburg eine Regiowährung einführen, den Hummel. Regiowährungen sind kein Selbstzweck. Zunächst habe ich mich mit anderen Regiowährungen befasst und mit der Frage, warum sie keinen Bestand hatten. Die Gründe liegen auf der Hand. Ich muss zunächst den Bedarf an Grundnahrungsmitteln abdecken. Da sich immer mehr Menschen bewusst und zunehmend vegan ernähren, gibt es dafür einen Markt, der derzeit nicht abgedeckt wird. Die Nachfrage ist also vorhanden. Damit haben wir gute Chancen unsere Waren auch zu verkaufen.

Anne: Welchen Namen wird die SoLaWi tragen?

Ricarda: Solawi Hamburg

Zurzeit arbeiten 12 Personen am Projekt SoLaWi Hamburg

Zurzeit arbeiten 12 Personen am Projekt SoLaWi Hamburg

Anne: Wie viele Menschen arbeiten derzeit an dem Projekt? Wer ist für was zuständig?

Ricarda: Wir sind jetzt ein Dutzend, die sich an der Planung beteiligt. Dazu gehört ein Rechtsanwalt, ein Steuerberater, Menschen, die sich auf Geld und Finanzierung verstehen, eine Konditorin und natürlich Veganer, die Genossen werden möchten.

Anne: Gibt es einen Chef? Oder sind alle gleichberechtigt?

Ricarda: Klar. Mich. In einer Genossenschaft hat jeder Genosse eine Stimme unabhängig von den Anteilen. Es ist die demokratischste Unternehmensform, die wir in Deutschland kennen. Dennoch wird es einen Vorstand geben, der aus 3 Personen bestehen wird und eben 300 Genossen.

Anne: Bis wann soll die Planung abgeschlossen sein?

Ricarda: Wir wollen nach der Sommerpause gründen.

Anne: Wie viele Menschen sollen in der SoLaWi wohnen und arbeiten?

Obst aus ökologischem Landbau

Obst aus ökologischem Landbau

Ricarda: Es werden zwischen 11 und 13 Personen sein.

Anne: Hattest du früher schon mit Landwirtschaft zu tun?

Ricarda: Nein. Das muss ich als Geschäftsführerin auch nicht. Dafür haben wir ja dann unsere Gärtner.

Anne: Wird es zusätzlich zur Landwirtschaft in der SoLaWi noch weitere Bereiche geben, z. B. Werkstätten, etc.?

Ricarda: Eine Lehrküche, einen Hofladen und eine Keimpflanzenmanufaktur.

Anne: Wodurch finanziert sich das Projekt? Werdet Ihr unterstützt?

Ricarda: Eine Genossenschaft finanziert sich zunächst durch die gezeichneten Genossenschaftsanteile, dann durch die Ernteanteile, den Verkauf der Ernteüberschüsse und durch Seminare. Es wird aber auch Hoffeste geben. Wichtig ist in jedem Fall, dass Gewinne dem Satzungszweck zugeführt werden. Das ist die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Die Genossenschaft wird als gemeinnütziger Zweckbetrieb des Hummel e.V. gegründet.

Nach der Sommerpause soll es losgehen

Nach der Sommerpause soll es losgehen

Anne: Die Arbeiter bzw. Bewohner der SoLaWi müssen/können also Kapital einbringen?

Ricarda: Ja, sie zeichnen Genossenschaftsanteile. Diese werden in der Satzung festgelegt. Es wäre also z. B. möglich, einen Anteil mit 50 Euro Nennwert festzulegen und die Höchstsumme auf 25.000 Euro pro Genossen zu begrenzen.

Anne: Die SoLaWi wird eine vegane Einrichtung werden. Gibt es davon noch mehr in Deutschland?

Ricarda: Ja, mein Vorbild ist die Solawi Wildwuchs.

Anne: Du bist ja selbst auch Veganerin. Seit wann? Hattest du dabei ein besonderes Vorbild?

Ricarda ist ganz frisch auf vegan umgestiegen

Ricarda ist ganz frisch auf vegan umgestiegen

Ricarda: Ich bin ganz frisch umgestiegen seit 17.01.2015. Ich habe gedacht, das wäre nicht nötig. Wenn man sich aber mit der Materie befasst, ist das wohl die logische Konsequenz. Ich esse jetzt viel preiswerter und mit viel mehr Genuss, ich mache z. B. meine Brotaufstriche selber. Das hätte ich auch nicht erwartet.

Anne: Ist Hamburg als Stadt besonders geeignet für eine vegane SoLaWi?

Ricarda: Wenn nicht hier, wo dann? Als waschechte Hamburgerin weiß ich, dass wir schon immer Vorreiter für Vieles waren. Die große Resonanz in so kurzer Zeit spricht für sich. Ich wollte in 2 Jahren gründen, aber jetzt werde ich vom Interesse überrollt.

Anne: Was macht Hamburg für dich besonders?

Ricarda: Der Geist meiner Heimatstadt. Es ist die Stadt des Erzengels Michael mit dem wir Hamburger auf Du und Du sind. Deshalb nennen wir ihn liebevoll Michel, was keineswegs respektlos ist.

Anne: Lebst du schon immer hier?

Ricarda: Ich bin hier geboren. Meine Vorfahren mütterlicherseits waren Wilhelmsburger Bauern. Aber das Land ging im 2. Weltkrieg verloren für´n Butterbrot und ´n Ei. Ich bin nach dem Krieg geboren, habe das Land nie gesehen. Heute führt dort die Autobahn drüber.

Anne: Wie zufrieden bist du mit dem derzeitigen veganen Angebot in Hamburg? Inwiefern unterscheidet es sich von anderen Städten?

Vegane Produkte sollten gekennzeichnet werden

Vegane Produkte sollten gekennzeichnet werden

Ricarda: Da geht noch mehr. Noch viel mehr! Ärgerlich ist es, wenn vegane Produkte nicht gekennzeichnet werden, man im Supermarkt vegane Margarine zwischen Milchprodukten findet, Hafersahne zwischen H-Milch und H-Sahne und Kichererbsen gar nicht. Wie gesund vegane Nahrung ist, hat sich noch nicht herumgesprochen. Da gibt es noch sehr viel zu tun und in den Schulen müssen wir anfangen.

Anne: Am Dienstag fand das erste Planungstreffen der SoLaWi statt. Was wurde besprochen?

Ricarda: Das Gerüst. Die Rechtsform, die Struktur, die Finanzierung und welche Schritte die nächsten sind. Das waren/sind jetzt die Gespräche mit dem Steuerberater, da war ich heute, dann das Gespräch mit dem Anwalt, dem Finanzamt, dem Bauernverband usw.

Anne: In der SoLaWi wird natürlich jede Menge Gemüse angebaut werden. Deine Lieblingssorte?

Ricarda: Gurken, Tomaten, Champignons… Wir werden mit den Genossen Wunschlisten machen und die Gärtner sagen uns dann, was machbar ist.

Alte Sorten retten

Alte Sorten retten

Anne: Vor kurzem las ich einen faszinierenden Artikel über die Rettung alter Sorten. Steht das auch auf eurer Agenda?

Ricarda: Das ergibt sich ja schon aus meiner „Kampfansage“ an Monsanto. Wir wollen mit samenfesten Sorten arbeiten und uns vernetzen.

Anne: Wir haben verlernt, was guter Geschmack ist. Erst vor Kurzem unterhielt ich mich mit einer Köchin über das Thema. Das Gemüse, das wir im Laden bekommen, ist nur noch darauf gezüchtet, möglichst gut auszusehen. Wie konnte es dazu kommen?

Ricarda: Die jungen Leute wissen gar nicht mehr, wie ein Radischen schmeckt oder eine Tomate. Die halten den Geschmack der heutigen Gemüse für normal. Woher sollen sie auch. Kleine Kinder wissen nicht, dass das Würstchen ein totes Schwein ist. Milch kommt aus der Tüte und Kühe sind lila.

Selbst entscheiden, was auf den Teller kommt

Selbst entscheiden, was auf den Teller kommt

Anne: Womit wird auf der SoLaWi eigentlich gedüngt werden? Werdet ihr im großen Stil Kompostwirtschaft betreiben? Wenn ja, wie organisiert ihr das? Besonders faszinierend finde ich ja die Gründüngung, bei der, wenn ich es richtig verstanden habe, Leguminosen (Hülsenfrüchte) über den Stickstoff in der Luft zu Dünger werden. Kunstdünger wird für eure Biolandwirtschaft ja mit Sicherheit nicht in Frage kommen, außerdem soll ja auch der Dünger vegan sein, Landwirtschaft ganz ohne Dung also.

Ricarda: Es gibt tolle Ansätze, nicht nur bei Wildwuchs. Wir werden in die Lehre gehen und bekommen natürlich Unterstützung durch andere Solawis. Man muss das Rad nicht neu erfinden.

Anne: Folgt ihr beim Anbau einer bestimmten Methode/Schule?

Ricarda: Wir wollen auf Imker verzichten. Daher habe ich Kontakt zu Markus Gastl. Sein 3-Zonen-Garten-Modell ist eine schöne Anregung.

Anne: Richtet ihr euch auch nach dem Mondkalender?

Ricarda: Das machen wohl die Demeter-Höfe. Ich denke, das wird davon abhängen, wer letztlich als Bio-Gärtner bei uns ist, welche Erfahrungen mitgebracht werden und inwieweit sich die Genossen darauf einlassen wollen. Fest steht, wir wollen biovegan und vollwertig essen.

Anne: Woher beziehst du derzeit deine Lebensmittel?

Ricarda: Das ist ganz unterschiedlich. Mein Gemüse kaufe ich gern bei einem Gärtner auf dem Wochenmarkt, Hülsenfrüchte bei Alnatura, meine Hafersahne und Avokados bekomme ich bei Edeka.  Ich hole mir Anregungen durch Gruppenbeiträge auf Facebook. Die Veganer dort diskutieren über alles, was der Markt her gibt. Veganer sind unglaublich kreativ.

Anne: Was ist von TTIP zu halten? Über die Medien erreichen uns hierzu ja fast täglich neue Hiobsbotschaften, vom Chlorhuhn bis zum Gen-Soja. Müssen wir uns große Sorgen machen?

Ricarda braucht im Winter keine Erdbeeren

Ricarda braucht im Winter keine Erdbeeren

Ricarda: Ich bevorzuge regionale Produkte und bin ein Gegner von TTIP. Ich brauche weder Erdbeeren im Dezember, noch Spargel aus Peru und auch keine Frühkartoffeln aus Ägypten. Was bei uns nicht wächst, kann gern importiert werden, aber aus Spanien z. B. esse ich gar nichts, weil ich die Ausbeutung von Menschen dort verabscheue. Was ich bisher über amerikanisches Essen weiß, ist wenig geeignet, mich zu begeistern. Ich lege Wert darauf die Menschen zu kennen, deren Waren ich kaufe. Auf dem Wochenmarkt ist das noch am ehesten möglich.

Anne: Was kann ich als Otto-NormalbürgerIn tun, um mich gesund zu ernähren? Und was kann ich gegen TTIP machen? Können wir uns überhaupt dagegen wehren?

Ricarda: Jeder Verbraucher entscheidet beim Einkaufen. Der Eine kauft Nutella, der Andere einen Apfel aus der Region. Wir brauchen ein Bewusstsein dafür, was die Nahrung mit uns macht. Das kann man niemandem aufzwingen. Aber aufklären können wir und das wollen wir auch mit der Solawi tun, durch Vorträge, Seminare und Kochkurse.

Anne: Ist die Genossenschaft die Gemeinschaftsform der Zukunft?

Ricarda: Die neue Genossenschaft, die Geno 2.0 ist eine gute Alternative zur Aktiengesellschaft, quasi die rote Karte und eine Antwort auf Vorstandsgehälter in Millionenhöhe. Ich bin überzeugt davon, dass es eine Unternehmensform mit Zukunft ist.

Anne: Vielen Dank für dieses wirklich tolle Interview! Ich wünsche euch ganz viel Erfolg für die Zukunft Eurer SoLaWi, ich hoffe, dass ich euch schon bald dort besuchen kann!

Ricarda: Zur Eröffnung bist du jedenfalls herzlich eingeladen.

Anne: Dann halte mich auf jeden Fall auf dem Laufenden!🙂

Wer sich für das Leben und Arbeiten in der Hamburger SoLaWi interessiert, kann zu den Planungstreffen kommen, sie finden jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Happenpappen in Hamburg statt, Anmeldung ist erbeten, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist. 

Quellen: 

Bilder: 

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„Ich hatte noch nie Heimweh!“

Interview mit einem Sibirienreisenden

Sebastian Frost

Sebastian Frost

Sebastian Frost ist ein Reisender. Als Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes kommt er sehr viel herum und auch seine Freizeit verbringt er mit Reisen in die entlegensten Gegenden unserer Erde.

Vor kurzem stellte er seinen 36-minütigen Kurzfilm fertig, in dem er über das Leben in der kältesten Stadt der Welt berichtet. Von Yakutsk nach Oymyakon im Winter – Eine Reise, die für ihn wohl niemals in Vergessenheit geraten wird.

Anne: Hallo Sebastian! Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst!

Sebastian: Hallo Anne, das tu ich doch gerne.

 Sebastian Frost vor dem -71,2 Grad Denkmal in Omjakon

Sebastian Frost vor dem -71,2 Grad Denkmal in Omjakon

Anne: „Sebastian Frost“ – Ist das ein Pseudonym oder Künstlername? Wie kam es dazu? Was bedeutet er? Möchtest Du uns Deinen echten Namen verraten?

Sebastian: Sebastian ist natürlich mein realer Vorname, bei „Frost“ handelt es sich um einen Fakenamen, da ich nicht so sehr viel von meiner Privatsphäre preisgeben möchte. Da ich jedoch häufiger in Kontakt mit Medien, wie z.B. Wetter- und Fotoseiten stehe, sickert mein realer Nachname doch ab und an mal durch. Mein Nachname ist „Balders“, er stammt aus dem norddeutschen Raum. Ich habe „Frost“ vor einigen Jahren gewählt, da ich ein Winterkind bin. Nicht umsonst hat es mich vor wenigen Wochen in die Kälte nach Sibirien gezogen.

Anne: Du kommst gerade von Deinem Sibirien-/Yakutien-Tripp zurück. Wie lange warst Du unterwegs?

Sebastian: Ich war insgesamt 15 Tage unterwegs.

Temperaturen bis zu unter -50 Grad Celsius

Temperaturen bis zu unter -50 Grad Celsius

Anne: Wie hast Du Dich dort fortbewegt? Mit dem Auto? Zu Fuß?

Sebastian: in Yakutsk kann man wie überall in Russland günstig Taxi fahren. Für 500 km habe ich circa 30€ gezahlt. Zu Fuß kann man die gigantischen Entfernungen in Sibirien nicht zurücklegen, es sei denn man hat mehrere Monate Urlaub und viel viel Motivation und Kraft😉

Anne: In Deinem Kurzfilm berichtest Du von Temperaturen um -50 Grad Celsius. Dagegen muss einem unser derzeitiges Wetter ja richtig frühlingshaft vorkommen. Wie schützt man sich am besten vor der Kälte?

Sebastian: Wichtig bei solch extremen Temperaturen ist und bleibt das berühmte Zwiebelprinzip. Sprich: Mehrere dünne Schichten halten besser warm als eine dicke Schicht. Ich trug 3 Paar Socken, gefütterte Winterstiefel, T-Shirt, Pullover, eine dicke Fleecejacke und darüber noch eine dicke Winterjacke. Anders würde man die extreme Kälte nicht aushalten.

Die gefährlichste Straße der Welt im Werchojansker Gebirge - Weit und breit ist nichts

Die gefährlichste Straße der Welt im Werchojansker Gebirge – Weit und breit ist nichts

Anne: Wie kam es zu Deiner Reise nach Yakutien und Sibirien?

Sebastian: Da ich beruflich mit dem Wetter zu tun habe, weiß ich genau in welchen Gegenden der Erde es heiß oder kalt ist. Da mich Kälte und Winter bereits seit meiner Kindheit magisch anziehen, war für mich klar, dass ich irgendwann in meinem Leben nach Sibirien reisen muss, da dort nunmal die tiefsten Temperaturen unserer Erde (ausgenommen vom Südpol) herrschen. -40 Grad werden hin und wieder schon mal in Nordfinnland, Kanada oder den USA gemessen. Aber unter -50 Grad? Das gibt es wirklich nur in den Wintermonaten in Sibirien.

Anne: Was machst Du sonst so, wenn Du nicht gerade auf Reisen unterwegs bist, um Land und Leute kennenzulernen?

Sebastian: Das Reisen ist mein größtes Hobby. Es ist ein teures, aber sehr schönes Hobby, das ich nie aufgeben könnte. Ich bin immer auf der Suche nach für mich neuen Ecken auf der Erde. Mit im Gepäck ist immer meine Kamera, die diese Momente für mich festhält. So kann ich gleich zwei Hobbies pflegen: Das Reisen und das Fotografieren. Meine Schwerpunkt ist dabei die Naturfotografie, wenn ich unterwegs bin und fremde Kulturen kennenlerne, fotografiere ich aber auch immer gerne Menschen. Hin und  wieder spiele ich außerdem auch gerne Fußball oder Badminton.

Frau im T-Shirt bei -55 Grad Celsius

Frau im T-Shirt bei -55 Grad Celsius

Anne: Du arbeitetest beim Deutschen Wetterdienst. Möchtest Du uns erzählen, was genau dort Deine Aufgabe ist?

Sebastian: Ich studiere Flugmeteorologie intern im Deutschen Wetterdienst. Meine Aufgabe wird später sein, Wettervorhersagen für Piloten zu erstellen und diese zu beraten, ob das Flugzeug starten kann oder aufgrund verschiedener meteorologischer Phänomene wie z.B. Windscherungen, Nebel, Starkniederschlag warten muss.

Anne: Wo bist Du schon überall hingereist und wo hat es Dir bis jetzt am besten gefallen?

Sebastian: Ich habe bisher 22 Länder bereist. Von den USA, über den mittleren Osten bis nach Asien. Japan war kulturell sehr interessant, im Oman durfte ich die Ramadanzeit miterleben, also von morgen bis abends nicht essen und trinken und das bei teils über +40 Grad Celsius. Die norwegischen Fjorde sind landschaftlich sehr schön, genauso wie zuletzt die Bergketten in Sibirien. Letztendlich denke ich, dass jedes Land seine besonderen Reize hat. Man muss nur genauer hinsehen. Aus diesem Grund verreise ich immer mit Couchsurfing. Auf diese Art bekommt man viel tiefgründigere Einblicke in den Alltag der verschiedenen Kulturen.

Gefrorene Wimpern

Gefrorene Wimpern nach 20 min Kälte

Anne: Eine tolle Idee, einen Reisefilm zu machen, er ist im Internet zu sehen. Hast Du noch mehr in diese Richtung geplant? Wird es Vorträge geben oder vielleicht sogar ein Buch?

Sebastian: Ich bin am überlegen ein Buch zu verfassen. Mehr möchte ich noch nicht verraten.

Anne: Was hat Dir an Yakutien besonders gut gefallen?

Sebastian: Die Einheimischen sind sehr warm und hilfsbereit und die Landschaft ist unglaublich schön. Die Entfernungen sind gigantisch. Auf einer zehnstündigen Tour durch die Taiga sind uns gerade mal 3-4 Autos entgegengekommen.

Anne: Was genau ist eigentlich Eisnebel?

Eisnebel in Yakutsk

Eisnebel in Yakutsk

Sebastian: Eisnebel kommt in Europa kaum bis gar nicht vor. Er entsteht erst ab etwa -30 Grad Celsius. In der Luft sind dann nur noch Eiskristalle enthalten und keine Wassertröpfchen mehr, wie das sonst bei Nebel oder auch gefrierendem Nebel der Fall ist.

Anne: Du lebst vegan. „Vegan auf Reisen“ ist für viele ein großes Thema, auch wir haben uns über eine vegane Reisegruppe auf Facebook1 kennengelernt.  Es ist sehr spannend, die unterschiedlichen Ernährungsweisen kennenzulernen. In vielen Ländern fällt es einem sehr leicht, sich vegan zu ernähren (ich habe z. B. in Indonesien und auf Sri Lanka nur gute Erfahrungen gemacht), in anderen Ländern gestaltet sich das etwas schwieriger, das hängt natürlich auch immer von den Traditionen und den Gewohnheiten der Bewohner ab. Ich kann mir vorstellen, dass es besonders in Yakutien und Sibirien nicht sehr leicht ist, der Hauptbestandteil der Nahrung besteht dort nach wie vor aus Fleisch und Fisch, wenn ich richtig informiert bin. Was ist Deine Erfahrung? Was wird dort gegessen? Wie hast Du Dich ernährt?

Sebastian: Fleisch und Fisch wird dort morgens, mittags und abends verzehrt. Und das in allen Variationen. Gemüse ist rar und teuer, da alles importiert werden muss. Komplett vegan zu leben, war in den abgeschiedenen Dörfern, würde ich behaupten, unmöglich. Es sei denn man würde sich 2 Wochen durchgehend nur von Haferbrei und Äpfeln ernähren. Ich bin daher für die Dauer meines Aufenthalts auf vegetarisch umgestiegen. Einige vegane Produkte habe ich zudem aus Deutschland mitgebracht.

Flug über das Werchojansker Gebirge und zugefrorene Flüsse

Flug über das Werchojansker Gebirge und zugefrorene Flüsse

Anne: Wie wurde Dein Veganismus angenommen? Wie reagierten die Menschen?

Sebastian: Das Wort „vegan“ ist in Yakutien unbekannt. Man kennt es schlichtweg nicht und konnte mich nicht verstehen. Die Menschen wussten nicht mal, dass es auch ein russisches Wort für „vegan“ gibt. Totaler Wahnsinn. *lacht*

Anne: Durch Deine Arbeit beim Deutschen Wetterdienst und Dein Reisehobby bist Du sehr oft unterwegs, nicht selten sehr weit weg von zu Hause. Dein Tipp gegen Heimweh?

Sebastian: Diese Frage kann ich leider nicht beantworten, da ich noch nie Heimweh hatte. Man sollte sich glücklich schätzen und jeden Moment genießen, wenn man gerade an einem anderen Ort ist. Und gegen Fernweh hilft nur eins: Auf Reisen gehen.

Außentoilette im Schnee

Außentoilette im Schnee

Anne: Wo kann man Deine Bilder bewundern?

Sebastian: Ich habe eine Webseite2, welche jedoch etwas veraltet ist, da ich wenig Zeit habe, alle Fotos und Impressionen dort hochzuladen. Es wird mal wieder Zeit. *lacht*

Anne: Gibt es noch mehr von Dir im Internet? Bist Du in Communities unterwegs?

Sebastian: Ich habe einen Flickr-Account3 und bin Mitglied der Fotocommunity. Beide Seiten sind aus Zeitmangel leider auch nicht aktuell und müssten aufgefrischt werden.

Anne: Wo geht die Reise für Dich als nächstes hin?

Sebastian: Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte gerne nach Südamerika! Wer weiß…

Denkmal an den Rekord von -71,2 Grad Celsius in Tomtor

Denkmal an den Rekord von -71,2 Grad Celsius in Tomtor

Anne: Was unterscheidet Yakutien/Sibirien von unseren Breitengraden? Gibt es Dinge, von denen Du sagst, dass wir sie auf jeden Fall übernehmen sollten?

Sebastian: Dadurch, dass die Menschen kaum bis kein Internet haben, kein fließendes Wasser im Haus und generell vielleicht nur die Hälfte von all dem was wir so besitzen, wurde mir mal wieder klar, dass wir in Europa eigentlich alles haben. Die meisten Sachen sind doch sowieso Luxusgüter. Wir sollten es mehr zu schätzen wissen, was wir alles zur Verfügung haben.

Anne: Was hältst Du von Reiseführern? Gibt es einen für Yakutien/Sibirien, den Du empfehlen kannst? Oder schreibst Du selbst einen?

Sebastian: Ich schaue grundsätzlich vor meinen Reisen in den Online Wiki-Travel Reiseführer. Der ist sehr gut. Über Yakutien hatte ich keinen und generell würde ich sagen, dass ich mich auf dieser Reise meist auf mein Gefühl verlassen habe. Ich hatte keinen Schimmer wie sich -50 Grad anfühlen werden und bin einfach mit meinem Koffer dorthin geflogen…

Am kältesten Ort der Welt

Am kältesten Ort der Welt

Anne: Würdest Du wieder nach Yakutien/Sibirien reisen?

Sebastian: Auf jeden Fall.

Anne: Wie hast Du Dich auf Deiner Reise verständigt? Sprichst Du die yakutische Sprache oder fließend russisch?

Sebastian: Ich hatte über Couchsurfing ständig eine Begleitung an meiner Seite, die übersetzt hat. Ich spreche kein Russisch, die Einheimischen kein Englisch. Ohne Übersetzer wäre so eine Reise fast undenkbar bzw. sehr schwierig.

Anne: Gerade erst las ich wieder über die Probleme der Klimaveränderung in Sibirien. Hast Du davon bei deinem Besuch etwas mitbekommen?

Im Werchojansker Gebirge

Im Werchojansker Gebirge

Sebastian: Die Menschen behaupten, dass es nicht mehr so kalt sei, wie früher. Früher waren Temperaturen von -60 Grad Standard, heute sind es die -50 Grad.

Anne: 5 Dinge, die man in Yakutien/Sibirien immer dabei haben sollte?

Sebastian: warme Kleidung (zumindest im Winter), Geduld und Verständnis, Kamera, Wörterbuch und ein Lächeln im Gesicht.

Anne: Vielen Dank! Hat mich gefreut, Deine Bekanntschaft zu machen!

Fotos: Sebastian Frost

Kennt Ihr eine schillernde Persönlichkeit, von der Ihr sagt, mit ihm/ihr sollte auf jeden Fall ein Interview auf meiner Seite erscheinen? Oder habt Ihr selbst ein spannendes Hobby, über das Ihr gerne mit mir plaudern möchtet? Schreibt mir einfach eine Mail unter dem Stichwort „Interview“, ich melde mich bei Euch!
Ein leckeres Glas Sojamilch

DIY Sojamilch

Eine leckere Alternative

Ein leckeres Glas Sojamilch

Ein leckeres Glas Sojamilch

Als Veganer hat man eine schier endlose Auswahl an Pflanzendrinks. Nahezu alle Nüsse und Hülsenfrüchte lassen sich zu „Milch“ verarbeiten.

Eine wundervolle, kostengünstige Alternative zu den Supermarkt-Pflanzendrinks, sind selbstgemachte. Ich möchte Euch heute zeigen, wie man Sojamilch ganz einfach zu Hause herstellen kann und das ohne teuren Nussmilchbereiter.

Benötigt wird

  • 1 mittelgroßer Kochtopf
  • 1 Sieb
  • 1 Herd
  • 1 Geschirrtuch
  • 2 Schüsseln
  • 1 Karaffe
  • 1 starker Stabmixer mit Mixgefäß oder Standmixer
  • 1 Kochlöffel

Zutaten

  • 100 g Sojabohnen (Im Bioladen gibt es sehr gute aus z. B. Italien und Österreich oder Ihr bestellt Sie einfach im Internet, mit dem Suchbegriff „Bio-Sojabohnen bestellen“ landet man etliche Treffer)
  • ca. 2 Liter Wasser

Zubereitung

  1. Die Sojabohnen in eine Schüssel geben und mit viel Wasser (rund 1 Liter) ungefähr 10 Stunden quellen lassen, also am besten morgens ansetzen, dann könnt Ihr Eure Sojamilch nach Feierabend fertig machen.
  2. Die Sojabohnen über der Spüle durch das Sieb abgießen und zusammen mit 330 ml Wasser pürieren. Ich benutze hierzu unseren Stabmixer, im Standmixer geht das natürlich noch schneller.
  3. 670 ml Wasser zum Kochen bringen und am Siedepunkt die Sojamasse einrühren.
  4. Nun lasst Ihr Eure Sojamilch auf mittlerer Stufe rund 10 – 12 Minuten köcheln. Achtung, nicht unbeaufsichtigt lassen, damit sie nicht überkocht. Zwischendurch gelegentlich umrühren.
  5. Als nächstes müsst Ihr die Sojamilch gut abkühlen lassen, damit Ihr Euch beim nächsten Schritt nicht die Hände verbrennt.
  6. Das Geschirrtuch über die zweite Schüssel geben, die Sojamilch vorsichtig durchgießen und den Brei durch das Tuch gut ausquetschen. Dabei aufpassen, dass nichts daneben geht.
  7. Die Sojamilch in die Karaffe füllen und gekühlt genießen. Im Kühlschrank ist sie bis zu 14 Tage haltbar, Ihr könnt also locker auch größere Mengen herstellen, hierzu einfach das Rezept verdoppeln, verdreifachen usw. Bleibt eine größere Menge Sojabrei (Okara) übrig, könnt Ihr daraus schmackhafte Frikadellen zubereiten.

Prost!